Tatort Mauerland

Tatort Mauerland

Ein banales Hauseck, ein Blick auf den Spreekanal, ein See auf dem Bojen schaukeln: Christian von Stefflin fotografiert die Orte an der ehemaligen Berliner Mauer, an denen Menschen erschossen wurden bei dem Versuch diese Mauer zu überwinden.

Christian von Steffelin:

Im Zusammenhang mit dem anstehenden historischen Mauerfalljubiläum möchte ich Ihnen hier kurz eines dieser Unterkapitel – “Tatort Mauerland” – vorstellen:

Viele der zahllosen Publikationen über die ehemalige Grenze Berlins beschäftigen sich mit den Fluchtversuchen an der Berliner Mauer – gelungenen wie gescheiterten. So beleuchtete zuletzt die Publikation “Die Todesopfer an der Berliner Mauer 1961-1989” ausführlich die Schicksale und Vitae der damaligen Opfer. Was es aber nicht gibt ist eine aktuelle, bildnerische Beschreibung der Orte, an denen sich die Tragödien abgespielt haben und die heute größtenteils nicht mehr als die geschichtlichen Orte kenntlich sind, die sie zweifellos immer noch darstellen. Kollektiv haben wir die Bilder des Todesstreifens unauslöschlich im Gedächtnis: schwarz-weiße, öde Freiflächen mit weiter Sicht, durchdrungen nur von Wachtürmen, Laternen, Baracken, Stacheldraht und natürlich der Mauer selbst.

Aber wie sehen diese Orte heute aus, was zeugt noch von diesem Gesamtort jüngster deutscher/ Berliner Geschichte?

Eine unscheinbare, DIN A4-große Informationstafel an einer ganz normalen S-Bahntrasse irgendwo in der Nähe des märkischen Viertels, die mir auf einer Radtour zufälligerweise ins Auge fiel, machte mir klar, dass ich gerade die ehem. Zonengrenze passierte – sonst vor Ort durch nichts erkennbar. Und ein paar Meter entfernt im angrenzenden Waldstreifen war vor Jahrzehnten ein Mensch gestorben, weil er frei sein wollte.

Ich fragte mich, wo genau sich all die anderen, über die Stadt verteilten schicksalhaften Orte befinden und was diese heute sind, was dort vielleicht noch von der Geschichte geblieben bzw. zu erkennen ist.

So habe ich Anfang des Jahres begonnen, diese Orte aufzusuchen und zu fotografieren. Mit Abschluss der Dokumentation von ca. 140 Orten entlang der gesamten Strecke der verschwundenen Mauer wird eine fotografische Beschreibung einer geschichtlichen Linie und gleichzeitig eine Bestandsaufnahme einer städtischen Entwicklung über einen Zeitraum von 25 Jahren entstanden sein.