Mike Spike Froidl

Ausstellung Climate Change! vom 15. August bis 27. September 2014 im ARTSpace Potsdamer 72

Mike Spike Froidls zeitnah‐zeitlose, radikal schöne Kunst ist immer eine Stellungnahme zu den Ungeheuerlichkeiten der Welt. Verbunden mit seiner meisterlichen Maltechnik macht ihn das zu einem bedeutsamen Künstler unserer Zeit. Seine Energie, Stringenz und Reife ließen ihn ein bisher mehrere Hundert Bilder umfassendes Oeuvre schaffen. Der Künstler gewährt nun Einblick in die Wunderkammer seiner Bilderwut.

Mit seinen furios‐grandiosen Bildserien wie „Climate Change“, „Fukushima“, „Festung Europa“ reagiert der Künstler Mike Spike Froidl auf die politischen und gesellschaftlichen Strömungen, Umbrüche, Verwerfungen und Ungerechtigkeiten des aktuellen Zeitgeschehens.

Schon mit 10 Jahren entschied Mike Froidl sich für seinen künstlerischen Werdegang. Albrecht Dürer, Toulouse Lautrec und Egon Schiele erkor er zu seinen Helden, die zu übertreffen er sich vornahm. Mit 19 ließ er sich Dürers „Ritter, Tod und Teufel“ unter die Haut stechen. Bald darauf bestand er die Begabtenprüfung an der staatlichen Kunstakademie München und studierte bei dem britisch‐kanadischen Fluxus‐ und Popart ‐ Künstler Robin Page. Dieser machte ihn zu seinem Meisterschüler und in den 90er Jahren zu seinem Assistenten. Mike Froidls frühe Werke verarbeiten sichtbar von Comic­‐Kunst und Pop‐Art inspirierte, ikonografische Motive der Punkbewegung. Daneben ließ er sich beim Zen‐Meister Kokugyo Kuwahara in der Technik der japanischen Kalligraphie schulen. Um sein Verständnis für die asiatische Kunst zu vervollkommnen, wandte er sich auch den fernöstlichen Kampfkünsten zu und hat darin höchste Meisterschaft erlangt, die er mittlerweile an seine Schüler weitergibt.

In Mike Froidls Rollbildern im Stil der japanischen Kakemono vereinigen sich östliche und westliche Kunstströmungen. Ästhetisch ausgerichtet an der japanischen Kunst verbindet er das feinsinnige Mysterium des ostasiatischen Shodō mit politischer Gesellschaftskritik im Sinne der Aufklärung und ihren Idealen wie Emanzipation, Toleranz, Verantwortung, Befreiung von Willkür und Ignoranz. Bei seiner gegenständlichen Mal-­‐Technik mit ihrer luziden Leichtigkeit müssen Bild‐Komposition und Farbgebung in einem Wurf glücken. Der Künstler weiß genau, wie sein Bild später auszusehen hat, bevor er den Pinsel in die Farbe taucht. Bedingt durch die Transparenz der Farben lässt sich im Nachhinein kein Strich korrigieren. Das Werk entsteht dabei in höchster Konzentration in einem meditativen Mal­‐ Akt als Ergebnis jahrelanger Zen-­‐Übung. Wobei das narrative Element einen wichtigen Platz in Froidls Bildsprache einnimmt. Seine Bilderwelten erzählen immer eine Geschichte, eine Geschichte vom Unbehagen in der Welt, von der Entschlossenheit den Betrachter aufzurütteln.

 Mike Spike Froidl
Mike Spike Froidl im Atelier 2012

Afrikanische Flüchtlinge, die sich an ein Floss klammern, tosende Wellen, die über sie hereinbrechen: das Meer mit seinen Naturgewalten als unüberwindbare Grenze. Zerstörte Schiffe am Strand von Lampedusa. In seinem Bildzyklus “Festung Europa“ thematisiert der Künstler Mike Spike Froidl die Katastrophe, die diejenigen heimsucht, die Europa den vermeintlichen Hafen der Glückseligen ansteuern. Er malt die Dramatik, die Tragik der Gekenterten und Gescheiterten und die Ratlosigkeit und Gleichgültigkeit der politisch Verantwortlichen.

Pinguine, die unter glühend heißer Sonne dichtgedrängt todbringenden Raubvögeln ausgeliefert sind; unheilbringende Hufe der Apokalyptischen Reiter fegen über Häuser, Kirchen und Moscheen hinweg. Eine Afrikanerin blickt aus der Ferne auf Industriebauten, zwei Reiher sehen Kindern ungerührt zu wie sie in der afrikanischen Hitze Computerschrott sortieren und schmelzen. Ein Nashorn spießt eine liebestolle Frau auf seinem Horn auf: In seiner Bildserie „Climate Change“ erzählt Froidl von Ausbeutung, Umweltzerstörung und Ausrottung ganzer Spezies, von der Zerstörung kultureller Werte und Unterdrückung Andersdenkender.

Mike Froidl beherrscht einen virtuosen Umgang mit Zitaten aus der Kunstgeschichte. Das Nashorn ­‐ ebenso wie die Apokalyptischen Reiter ‐ sind angelehnt an berühmte Werke von Dürer. Die Fukushima­‐Reihe verweist auf japanische Meister, Techniken wie den japanischen Farbholzschnitt und japanische Motive: so verwandeln sich die herabrieselnden Kirschblüten zu Atomwarn­‐Icons. Oder der Künstler nimmt die große Welle von Hokusai und ergänzt sie um eine Frau im Kimono, die vor der Welle mit einem Kindersarg in der Hand davonläuft. In „Fukushima coming home“ badet eine Manga­‐Nymphe in einem mit halbverdorrten Pflanzen umstandenen Teich, während im Hintergrund die havarierte Ruine des Atomkraftwerks zu sehen ist.

2011-aiweiwei170x250-Web

Der Künstler Ai Wei Wei ‐ angekettet an einen Mitgefangenen ‐ verrichtet Zwangsarbeit im Sumpf. Mike Froidls Bild „Kunst der Aufklärung“ enstand während Ai Wei Weis Inhaftierung die gleichnamige Ausstellung mit europäischer Kunst in Peking lief. In Mike Spike Froidls Kunst geht es um politisch­‐soziales Anliegen, gesellschaftliches Engagement, Aufzeigen von sozialen Ungerechtigkeiten und Vergehen an der Umwelt. In dieser Tradition der künstlerisch umgesetzten Gesellschaftskritik verstehen sich Mike Froidls Arbeiten.

So politisch Mike Froidls Kunst ist, so ist auch das Leben des Künstlers. Er widersteht dem gesellschaftlichen Mainstream und kämpft als eine Art moderner Don Quichote ‐ gegen die Windmühlen der sozialen und kulturellen Gleichgültigkeit.