Ingrid Honneth – Peacemakers & Brandstifter

Eröffnung 5. September, 19 Uhr,

Climate Change! Part II: 

Ingrid Honneths PEACEMAKERS- und BRANDSTIFTER-INSTALLATION

5. – 27. September 2014 in der POTSDAMER72:

Die rostigen und verbeutelten Relikte der großen gesellschaftlichen Katastrophen des letzten Jahrhunderts – Bomben, Geschosse, Projektile, die nicht zündeten und damit als latente Bedrohung im Erdreich auf ihre archäologische Ausgrabung und Entschärfung warten – können als Allegorie von Ingrid Honneths Werk selbst verstanden werden. Denn mit ihren Blow-ups, vergrößerten Alltagsobjekten, die auf die Krise des Objekts in unserer zunehmend digitalisierten und damit entmaterialisierten Welt antworten, entdeckt sie im Veralteten, Überholt-Rezenten einen Energiespeicher des Unbewußten, durch den mit der explosiven Ladung der in ihm aufgespeicherten Affekte – unsere Wünsche und Ängste, Hoffnungen, Erinnerungen, Praktiken und Gewohnheiten – an die durch die Dinge vergesellschafteten Menschen zurückgegeben wird. Diese Ladung vermag den Panzer unseres verdinglichten Alltagsbewußtseins zwar nicht vollends aufzusprengen, aber dennoch, indem sie ihn durch winzige Haarrisse perforiert, ein Bewußtsein seiner Existenz zu erzeugen. So sind die fossilen Relikte ihrer PEACEMAKERS wie unfreiwillige Eingeständnisse Symptome für den Zynismus und die mythische Gewalt, die die Basis jeder staatlichen Ordnung ist.

Sie wird in Frage gestellt durch die BRANDSTIFTER – Streichhölzer in Menschengröße – die gesellschaftliche Konflikte zur Intervention nutzen, um Transformationen in Gang zu setzen. Ihre Herstellung und Distribution war im 19. Jhdt mit äußerstem Elend, dem Lumpenproletariat, verbunden, wie es Andersen im Märchen vom „Mädchen mit den Schwefelhölzern“ festhielt und heute zum globalen Phänomen geworden ist.

Andreas Honneth

www.ingrid-b-honneth.de