gruppe / hrtz

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Juliane Henrich
Markus Ruff
Clarissa Thieme
Juliane Zelwies

gruppe / hrtz zeigt eine Auswahl ihrer Filme und Videoarbeiten im Kühlhaus Berlin, Luckenwalder Str. 3, 10963 Berlin.

30. April und 1. Mai jeweils um 18 Uhr und 20:30 Uhr
1. bis 3. Mai 2015 von 11 Uhr bis 18 Uhr

Untitled (drawing) / Juliane Zelwies
Sämtliche Wunder / Juliane Henrich
Resort / Clarissa Thieme
Richard and Felix / Juliane Zelwies
schleifen / Juliane Henrich
Erika / Markus Ruff
Ich kenn / I know / Eu conheco / Clarissa Thieme

Juliane Zelwies
Untitled (drawing)
USA / Deutschland 2005 fortlaufend I DV PAL, HD I 8 min

Im Jahr 2005 hat Juliane Zelwies mit einem Langzeitprojekt begonnen: Alle fünf Jahre nimmt die Videokünstlerin die Arbeit mit Papier und Bleistift auf um ein Selbstporträt zu zeichnen.
Doch jedes Mal, wenn sie das Papier für eine neue Zeichnung wendet, kommt kurz zum Vorschein, wer in Wirklichkeit für die Künstlerin Modell gestanden hat.

Juliane Henrich
Sämtliche Wunder
Deutschland 2009 | HDV | 27 min

Irgendwo in Westdeutschland: ein Haus voller unbelebter Räume – angefüllt mit Gegenständen aus vergangenen Jahrzehnten. Familienfotos, verstaubte Bücher, unzählige Uhren; Möbel und Tapeten in den buntesten Farben der 60er Jahre. Die Bewohnerin des Hauses sieht diese Räume nicht mehr. Ihre Augen haben nachgelassen und ohne fremde Hilfe kommt sie nicht mehr in den ersten Stock. Doch ihr Alltag scheint ohnehin nur wenig mit Vergangenem behaftet. Beim Familienbesuch konzentriert sich alles auf das Hier und Jetzt – wohin gehen wir zum essen, was kommt in den Nachrichten und vor allem: wie spät ist es?

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Sämtliche Wunder ©Juliane Henrich

Clarissa Thieme
RESORT
Deutschland / Österreich I 4K I 15 min

Ein Frühstückssaal im Schick vergangener Tage. Selbst die Aschenbecher des nicht näher definierten Adria-Urlaubsresorts fungieren als obsolete Zierobjekte: Der einzige Gast, eine Schauspielerin (Kathrin Resetarits als sie selbst), wird sogleich über das vorherrschende Rauchverbot unterrichtet. Von der Rationalität des Alltags befreit, wandelt sie alsbald durch das Küstendorf, findet sich in grotesken Castings und Probeaufnahmen wieder. Die wenigen Regieanweisungen erfolgen in gebrochenem Englisch und lassen kein nachvollziehbares Ziel erkennen. Es sei komplett sinnlos, hier zu sein, vermerkt die Schauspielerin einmal, um sich dann – dem „Projekt“ zuliebe – doch den fremdbestimmten Leerzeiten zu fügen. Ein Film in herrlich unkonkretem Wartezustand. Wie ein Streuner: immer auf der Suche, nie ganz bei sich.

Kathrin Resetarits © RES

Kathrin Resetarits ©RESORT, Sandra Meseburger

Juliane Zelwies
No more words, no other thoughts. About the rituals of speaking.
Teil 1: Richard and Felix

Deutschland / Großbritannien 2012 I HD I 20 min

Zwei Männer begegnen sich zufällig an einem ruhigen Nachmittag in Speaker’s Corner im Hyde Park von London. Während der eine für eine Sprechprobe eine Rede einübt, unterbricht der andere seinen Weg, um diesem einen Moment lang zuzuhören. Sie kommen miteinander ins Gespräch und es geht schon bald um große Themen. Fragen nach Recht und Unrecht, Pflicht und Moral werden spontan erörtert – bis es an der Zeit scheint, wieder auseinanderzugehen.

“Richard and Felix” ist der erste Teil des Projekts „No more words, no other thoughts. About the rituals of speaking“.

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Richard and Felix ©Juliane Zelwies

Juliane Henrich
schleifen
Deutschland 2014 |  4K  | 6 min

Was ist es, das eine Stelle zum Ort werden lässt? Alte Dörfer werden geschleift, also abgetragen. An anderer Stelle werden sie neu aufgebaut und die Bewohner dorthin umgesiedelt. Die neuen Häuser erinnern nicht an die alten, Kirchen und historische Gebäude finden sich im neuen Ort nicht wieder. Nur die Friedhöfe werden verlegt und die Straßennamen bleiben erhalten – immer mit dem Hinweis “neu“.  In langsamen Fahrten durch alte und neue Siedlungen verschränkt der Film Ansichten von etwas, das Heimat“ sein könnte.

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alter Kirchweg -neu-©Juliane Henrich

Markus Ruff
ERIKA
Deutschland 2008/2012 I 2K (original 35 mm) I 45 m

Entrückt bewegt sich eine Frau voran. Sie wird eine Ewigkeit so gehen und bereits gegangen sein. Was für sie Gegenwart ist, bleibt für die anderen Figuren des Films noch Zukunft. Zwei Frauen und ein Mann stehen in städtischen Landschaften und monologisieren. „Ihr müsst die Bücher lesen, denn es ist Krieg!“, proklamiert eine der Stimmen und beschwört damit einen Zustand herauf, der weder real noch undenkbar ist.
An einem anderen Ort erinnern sich eine Frau und ein Mann an ihre erste Begegnung. Was diesen Moment in der Vergangenheit kennzeichnet, wiederholt sich jetzt. „Hey you, I don’t care about my old boyfriend, I have a new boyfriend.“ Jeder spricht, und spricht nur mit sich selbst. „Das heißt sprechen.“

©Markus Ruff_Erika

Erika©Markus Ruff

Clarissa Thieme
ICH KENN / I KNOW / EU CONHEÇO
Deutschland 2015 I 4K I 12 min

ICH KENN / I KNOW / EU CONHEÇO (2015) dekonstruiert spielerisch den muttersprachlichen Sprachraum, in dem sich die meisten von uns unhinterfragt bewegen. Die Arbeit basiert auf dem Text “ich kenn” von Kathrin Resetarits, der mantrahaft und stoisch in seiner Auflistung von Begriffen vorgetragen sowie dann in Simultanübersetzungen und Endloswiederholungen variiert wird. Die Motivation der sprachlichen Manöver bleibt so brachial wie diffus und erfolgt als mechanisches Tonsignal aus dem Off. Die Videoperformance zeigt in einem One-Take die Endphase dieses mehrere Stunden währenden Prozesses.
Durch die Rezitationen und die ihnen an die Seite gestellten Variationen in den mündlichen Übersetzungen und Untertiteln erweitert der Film die bereits im Originaltext angelegte Frage, was „ich kenn“ überhaupt bedeuten kann.

ICH KENN : I KNOW : EU CONHEÇO

ICH KENN : I KNOW : EU CONHEÇO ©Clarissa Thieme

BIOGRAFIEN

Juliane Henrich
(*1983 in Solingen) Studium am Deutschen Literaturinstitut Leipzig, der Bezalel Academy of Arts and Design Jerusalem und der Universität der Künste Berlin, Abschluss als Meisterschülerin. Ihre Arbeiten wurden auf verschiedenen Festivals und im Ausstellungskontext gezeigt. Eine Auswahl: Berlinale, Internationale Kurzfilmtage Oberhausen, Duisburger Filmwoche, HKW, Images Festival Toronto, Rencontres Internationales Paris und Kav 16 Gallery Tel Aviv.

Markus Ruff
(*1977 in Stuttgart) Studium an der Universität der Künste Berlin und der Universidad del Cine in Buenos Aires, lebt und arbeitet in Berlin. Filme: aus der leere (2005), Le spoglie dell’oggi – Die Überreste vom Heute (2006), Erika (2008, 2012), Cet Homme (2011), 19 Frames (2013). Festivalteilnahmen und Ausstellungen u.a. Forum Expanded (Berlinale), Rencontres Internationales, EXIS Experimental Film and Video Festival, Kunstverein in Hamburg.

Clarissa Thieme
(*1976 in Oldenburg) Studium der Kulturwissenschaften & Ästhetischen Praxis, Universität Hildesheim sowie Kunst & Medien an der Universität der Künste Berlin, Abschluss als Meisterschülerin. 2007 Gründung der Werkstatt, Berlin einem transdisziplinären Kunst- und Atelierraum. Festivalteilnahmen und Ausstellungen u.a. bei der Berlinale; Diagonale, Graz; Kasseler Dokfilmfest; NGBK, Berlin; MESS, Sarajevo; frameline, San Francisco, Living Archive, Arsenal Berlin.

Juliane Zelwies
(*1976 in Berlin) studierte Bildhauerei und Film in Philadelphia (Tyler School of Art) und Stockholm (Konstfack) und schloss ihr Studium im Fach Medienkunst an der UdK Berlin ab (Meisterschülerin 2005). Ihre Arbeiten werden international auf Filmfestivals und in Ausstellungen gezeigt, u.a. Momenta Art, Brooklyn, NY; Hong-Gah Museum, Taipei; KAV16 Gallery, Tel Aviv; Shedhalle Zürich; ZAIM Art Center, Yokohama; Temple Gallery, Philadelphia; NBK Berlin; Dokfilmfest Kassel; IKFF Hamburg; Berlinale.