Geteilte Stadt – Divided City

Ausstellung “Geteilte Stadt – Divided City”

22. November bis 20. Dezember 2014 in POT72

Eröffnung 22. November, 19 Uhr

Advent-Midisage: Sonntag, den 14. Dezember, 14-19 Uhr

Finisage mit Fest: Freitag, den 19. Dezember, 19 Uhr

Mit Fotografien von Christian Schulz – 89/90, Chris Durham – Belfast, Christian von Steffelin – “Palast der Republik“, “Tatort Mauerland“, Katherine York – Border Infrastructure und Installationen von Lilly Grote – Staub und Mira O´Brien – Ohne einen Glaspalast

Ein Mann, der wütend mit dem Vorschlaghammer auf die Berliner Mauer einschlägt, umringt von begeisterten Zuschauern. Dieses Foto, das Christian Schulz vor 25 Jahren am Potsdamer Platz aufgenommen hat, zeigt auf besonders anschauliche Weise den Fall der Berliner Mauer.

Grenzzäune, Absperrungen und Mauern, die Städte, Familien, Gemeinden oder Volksgruppen trennen, gibt es immer noch weltweit. Im ARTSpace POT 72 werden Arbeiten von sechs international renommierten Künstlern ausgestellt, die sich mit dem Thema “Geteilte Stadt – Divided City“ auseinandersetzen.

Mit seiner fotografischen Serie 89/90 vermittelt Christian Schulz ein eindrucksvolles Bild von der Wendezeit im geteilten-wiedervereinigten Deutschland.

„British Land, British Troops“ steht auf einer Hauswand in Belfast. Chris Durham – ein gebürtiger Londoner, der in Düsseldorf lebt – hat sie fotografiert. In seinen Arbeiten von politischen Wandgemälden auf Gebäuden in Belfast zeigt sich die Aufspaltung der Stadt in ‚loyalistische’ Protestanten, die sich zum Vereinigten Königreich bekennen, und katholische ‚Nationalisten’, deren Mehrheit einen Anschluss an die Republik Irland wünscht. Zwar sind direkte Konfrontationen selten geworden, aber falls es doch dazu kommt, helfen mehrere Maueranschnitte in der Stadt, die Konfliktgruppen zu separieren. Mit ihren Graffities – oft verziert mit den jeweiligen Nationalflaggen – demonstriert jede Partei ihre bildgewordene Gegnerschaft und Trennung und versucht damit ihren Claim abzustecken, ihre Zugehörigkeit auszudrücken.

Den Rückbau der Teilung – manifestiert in der schrittweisen Demontage vom Palast der Republik im Zentrum Berlins – zeigen die Fotografien von Christian von Steffelin. Von der DDR als ein Haus des Volkes erbaut, wurde für den Palast der Republik von den Abgeordneten des deutschen Bundestages – die mehrheitlich aus dem Westen kommen – der Abriss beschlossen. Von 1996-2010 hat Christian von Steffelin den Leerstand und den sukzessiven Abriss des Palastes dokumentiert. In seiner Arbeit Tatort Mauerland besucht er die Orte, an denen einst Menschen, beim Versuch die Berliner Mauer zu überwinden, erschossen wurden.

Eine hochgezogene Wand direkt am Straßenrand, Stacheldraht inmitten eines Wohngebiets: die US-Amerikanerin Katherine York fotografiert die „Border Infrastructure“, die Absperranlagen zwischen der Stadt San Diego in Kalifornien und ihrer Nachbargemeinde Tijuana in Mexiko. Während in Berlin der Fall der Mauer gefeiert wird, zieht die USA die sichersten und modernsten Grenzwälle, die „Triple Layer Fences“ hoch, um sich gegen ihre Nachbarn, die Mexikaner abzuriegeln.

Lilli Grote war mit der Kamera dabei als die Grenzanlagen am Bahnhof Friedrichstraße abgebaut wurden und der Staub, der darunter zum Vorschein kam, weggefegt wurde. In ihrer Videoinstallation Staub zeigt sie wie während die Arbeiter noch mit Putzarbeiten beschäftigt sind, die ersten Reisenden den Bahnhof von Ost nach West passieren.

Mira O´Brien aus Los Angelos lebt seit sechs Jahren in Berlin. Mit ihrer Rauminstallation „Ohne einen Glaspalast“ nimmt sie Bezug auf den Berliner Palast der Republik. Auf einen Rahmen montiertes Gitterwerk steht für ein auf Zimmergröße skaliertes Fenster aus der Fassade des Palastes der Republik. Statt der berühmten irisierenden Goldkupferfensterscheiben bedeckt eine simple graugrüne Plastikfolie den Rahmen; ein Material, das auf Baustellengerüsten verwendet wird. Schattenähnliche Zeichnungen von Glasscherben sind durch die lichtdurchlässigen Schichten sichtbar.
Der Titel, “Ohne einen Glaspalast”, ist ein Fragment eines Gedichtes von Paul Scheerbart aus seinem Buch “Glasarchitektur”. Bruno Taut widmete Paul Scheerbart sein für die Kölner Werkbundausstellung 1914 gebautes Glashaus. Taut und die utopische Vision von Scheerbart vor genau 100 Jahren dienen Mira O’Brien als Ausgangspunkt für ihre andauernde Forschung zur Konzeptualisierung der Glasarchitektur.
 „Glück ohne Glas, wie dumm ist das – Ohne einen Glaspalast ist das Leben eine Last – Im Glashaus brennt es nimmermehr, man braucht da keine Feuerwehr – Das Licht will durch das ganze All – und ist lebendig im Kristall.” Paul Scheerbart