Fotografien von Bernd & Hilla Becher und Matthias Koch ab 3. Oktober im ARTSpace POT72

Industrielandschaft im Wandel – Zwei Perspektiven:

Fotografien von Bernd & Hilla Becher und Matthias Koch.

Bernd und Hilla Becher haben im Laufe von 50 Jahren ein beeindruckendes Werk mit Fotografien von industriellen Nutzbauten geschaffen, das vielfach mit Preisen wie dem Goldenen Löwen in Venedig oder dem Erasmuspreis ausgezeichnet wurde.

„Das Ruhrgebiet, das kochte. Das war ein brodelnder Kessel. Das war sehr faszinierend“. So Hilla Becher zu ihren Anfängen, als sie und ihr Mann Bernd Becher Ende der Fünfziger Jahre begannen, Industriebauten wie Zechen, Hüttenwerke und Gasbehälter zu fotografieren.

Als Matthias Koch, ehemaliger Student von Bernd Becher an der Düsseldorfer Kunstakademie, fast 50 Jahre später die Orte aufsuchte, die Bernd und Hilla Becher mit ihrer Großformatkamera dokumentierten, waren die meisten Hütten und Bergwerke nicht mehr im Betrieb und größtenteils abgerissen. Die Standorte liegen heute entweder brach, warten auf ihre Umnutzung oder es entstanden darauf Gewerbeparks und Wohnsiedlungen. Stillgelegte nicht abgerissene Hüttenwerke und Zechen werden genutzt als Kultur- und Freizeitstätten.

Die Ausstellung Industrielandschaft im Wandel – Zwei Perspektiven: Fotografien von Bernd & Hilla Becher und Matthias Koch zeigt diese historische Veränderung des Industriestandortes Deutschland. Von den 14 ausgestellten Becher-Fotos von deutschen Hüttenwerken aus den Jahren 1963-1994 wie Gutehoffnungshütte in Oberhausen (Abriss 2006, heute Gewerbepark und Industriemuseum), Maxhütte in Bayern (Schließung 2002, heute Gewerbeansiedlung), Hüttenwerk Völkingen (heute UNESCO Weltkulturerbe), sind lediglich zwei Hüttenwerke in Duisburg noch in Betrieb.

Die Geschichte der Schwerindustrie im Ruhrgebiet begann Mitte des 18. Jahrhunderts in Oberhausen mit dem Hüttenwerk Gutehoffnungshütte. Als Bernd und Hilla Becher 1963 die Gutehoffnungshütte fotografierten, begann schon damals mit der Kohlekrise der Niedergang der Montanindustrie in Deutschland.

Bernd Becher: „Als wir merkten, dass die Sachen verschwinden. Das ist eine Welt, die wird vergehen, es lohnt sich die Sache zumindest optisch zu erhalten, haben wir uns auch ganz und gar dafür entschieden, die Sachen zu verkleinern, um sie mitnehmen zu können. Es ist praktisch eine Verpflichtung so was zu machen. Wir haben auch nichts anderes mehr gemacht.“

Becher-Koch-Gutehoffnungshütte2

Der Fotograf Matthias Koch war Assistent bei Bernd und Hilla Becher und begleitete sie oft auf ihren Foto-Reisen.

Eine asphaltierte Straße mit Wendekreis inmitten einer vom Gestrüpp überwachsenen Brache – das Foto von Matthias Koch zeigt die Überbleibsel der Gutehoffnungshütte, die 2006 abgerissen wurde. 240 Jahre Eisen- und Stahlherstellung in Oberhausen gingen damit zu Ende.

Das Ruhrgebiet ist ein Thema bei Matthias Kochs fotografischer Serie “Orte der Geschichte“. Hier geht es ihm um die Überlagerung von zwei Zeitebenen. Beim Anblick der heutigen Situationen ahnt man kaum noch, was an diesen Plätzen früher einmal stattgefunden hat. Seine Aufnahmen, die in den letzten vier Jahren entstanden sind, vermitteln somit eindrucksvoll die Abwicklung des Industriestandorts Ruhrgebiet.

Bernd und Hilla Becher zeichnet aus, dass es ihnen gelang, die Bauten einer teilweise schon verschwunden Industrielandschaft in ihren Fotografien für die Nachwelt festzuhalten. Im Dialog mit den Becher-Fotos zeigen Matthias Kochs Fotografien den Umwandlungsprozess von einer Industriegesellschaft zu einer Dienstleistungs- und Freizeitgesellschaft.

Zitate von Bernd und Hilla Becher aus dem Film „Die Fotografen Bernd und Hilla Becher“ von Marianne Kapfer

3. Oktober – 15. November 2014

Eröffnung, 2. Oktober, 19 Uhr

Im ARTSpace Pot72, Potsdamer Str. 72, 10785 Berlin

Öffnungszeiten: Dienstag bis Samstag 12-18 Uhr und nach Vereinbarung

Kontakt: Marianne Kapfer, Tel.: 030-47389148, mk@whatulookinart.com

Info www.whatulookinart.com und Bildmaterial www.whatulookinart.com/presse

 

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