Belfast

Chris Durham – Belfast

„You are entering now Loyalist Heartland“ – dieser Schriftzug und das Abbild zweier vermummter Bewaffneter ist auf eine unscheinbare Hauswand gemalt. „Honor Ireland´s Dead wear an Easter Lilly“ ist in grün, weiß, orange, den irischen Nationalfarben auf eine Ziegelmauer gepinselt. Zwei simple Wände in Belfast, aber jede markiert ein eigenes Territorium. Einmal befindet man sich bei den ‚loyalistischen’ Protestanten, die sich zum Vereinigten Königreich bekennen. Das anderes Mal ist man auf dem Gebiet der katholischen ‚Nationalisten’, deren Mehrheit einen Anschluss an die Republik Irland wünscht und früher auch mal herbei zu bomben versuchte. Zwar sind direkte Konfrontationen selten geworden, aber falls es doch dazu kommt, helfen mehrere Maueranschnitte in der Stadt, die Konfliktgruppen zu separieren. Mit ihren Graffiti – oft verziert mit den jeweiligen Nationalflaggen – demonstriert jede Partei ihre bildgewordene Gegnerschaft und Trennung und versucht damit ihren Claim abzustecken, ihre Zugehörigkeit auszudrücken. Die Stadtarchitektur, die Straßenszene, die Chris Durham fotografiert, scheint auf den ersten Blick banal, alltäglich und einer gängigen Schönheit zu entbehren. Die Komposition ist streng, das Licht ist neutral. Es gibt keine fahrenden Autos. Keine Menschen sind zu sehen, die die Aufmerksamkeit des Betrachters auf sich ziehen würden. So fällt der Fokus sogleich auf die Schriftzüge an den Häusern. Die Präsenz ihrer Bewohner wird trotz ihrer Abwesenheit durch die Martialität der Wandgemälde unmittelbar spürbar.