Armin Lindauer

Malerische Reflexion. Das künstlerische Werk Armin Lindauers

Ein Auszug

“Sofort ins Auge fällt der Abbildcharakter, die malerische Farbigkeit und die Größe der Arbeiten Lindauers. Hier wurde nicht an Sinnlichkeit gespart, weder visuell noch olfaktorisch. Das Terpentin der Ölfarbe, den Geruch des Malerateliers, hat man in der Nase, wenn man diese Bilder betrachtet – nicht umsonst wurden Maler, durchaus nicht abwertend gemeint, gerne als Terpentinschweine bezeichnet. Kein Wunder, dass diese ausgeprägte Sinnlichkeit zur Lust der Betrachtung beim Rezipienten führt.

Interessant ist nun, dass Lindauers Arbeiten satter Sinnlichkeit sehr wohl die alte Frage Cézannes, „was ist ein Bild“, thematisieren. Dies geschieht aber ohne das Abbild aufzugeben, ohne abstrakt zu werden und ohne in die Vergeistigung und damit in die Entsinnlichung der alten Konzeptkunst der 60er und 70er Jahre des letzten Jahrhunderts zu fallen. Lindauer zeigt reflexive Kunst mit malerischen Mitteln. Was passiert, wenn die Bildgrenze, der Rahmen, selbst zum Bild, zur Malerei, wird? Wie ist die Dialektik von Gezeigtem und Nichtgezeigtem, wenn nur gemalte Rahmenausschnitte präsentiert werden? Wie ist das Verhältnis von Figur und Grund und auf welche Weisen kann das Abbild an die Sinngrenze getrieben werden? Lindauer stellt nicht die Frage nach den Bedingungen der Möglichkeit des Bildes, denn dies würde in die Transzendentalphilosophie der logischen Bildbedingungen führen, sondern fragt nach den sinnlichen und malerischen Bedingungen des Bildes. Er bleibt damit im kantschen Reich der empirisch-sinnlichen Notwendigkeit, was dazu führt, dass die oben genannte dritte von Lawrence Weiner genannte Möglichkeit künstlerische Praxis, eine Arbeit müsse nicht realisiert werden (denn es genüge die bloße Formulierung der Idee), bei Lindauers Art der Konzeptkunst nicht möglich ist. Die jeweilige sinnliche Realisierung ist notwendig und führt zu einer Repotenzierung des Künstlers und seiner Produktion.

Für den Philosophen ist es ein Gemeinplatz, dass gegen Verdinglichung nur Reflexion hilft. Auch Armin Lindauer „verflüssigt“, nicht mit geistigen Mitteln wie der Philosoph, sondern mit malerischen Mitteln, das Ding Bild. Er realisiert dies durch das Nichtentfernen unbeabsichtigter Farbtropfen beim Herstellen zum Beispiel der Rahmenbilder und verdeutlicht dadurch das Verhältnis beabsichtigter und aleatorischer Spuren. Das fertige, fixe, verdinglichte Bild, erhält dadurch Spuren seiner Genese; auch ein Bild ist ein Gewordenes und dieses Gewordensein wird durch die aleatorischen Tropfen sinnlich wahrnehmbar.”

Prof. Dr. phil. Thomas Friedrich lehrt Designtheorie und Philosophie an der Fakultät für Gestaltung an  der Hochschule Mannheim.

Installation Lindauer lInstallation in POT72 Berlin