A Tribute to Robin Page

A Tribute to ‘Bluebeard’ Robin Page
Seine Meisterschüler

16.September – 11.Oktober 2015 im Kühlhaus Berlin

pageklasse 1992©Klaus Soppe

Fluxus, Art-Buster, „Alle sind Künster, nur ich nicht“. Robin Page – der britische-kanadische Künstler und Professor an der Münchner Kunstakademie – starb am 12. Mai 2015. Seine Meisterschüler Wonacb (Markus Müller), Yongbo Zhao, Thomas Hager und Mike Spike Froidl widmen seinem Gedenken eine Ausstellung im Kühlhaus Berlin.

Robin Page wurde 1932 in London geboren. Die Familie zog nach Kanada. Sein Vater war Zeichner bei Disney und entwickelte z.B. die Figur des Bambi. Robin Page war einer der  wichtigsten Vorreiter der Fluxus-Bewegung. Er seine eigenen künstlerischen Ausdrucksformen waren Malerei, Objektkunst, Events und seine Performance-Auftritte. Wobei er auch Humor als ein künstlerisches Mittel betrachtete.

Von 1987-1990 hatte Robin Page eine Professur an der Akademie der Bildenden Künste in München. Ausgesprochen innovativ im Umgang mit künstlerischen Ausdrucksformen und mit einem guten Auge für neue interessante Kunsttalente suchte er sich seine Studenten im Umfeld der kreativen Punks, Graffiti-Sprayer, Computerkünstler und im chinesischen sozialistischen Realismus ausgebildeten Straßenkünstler. Sein Schüler und späterer Assistent Mike Spike Froidl färbte seinen weißen Vollbart blau.
Mit dem blauen Bart tauschte Robin Page seine Identität aus und wurde zum Bluebeard. Es folgte die Konzeption des Bluebeard AMuseum, das zu einem avantgardistischen Ort der zeitgenössischen Kunst wurde. Page stellt Bluebeard in den Mittelpunkt seiner Kunstsammlung und hinterfragt somit den Begriff des Museums an sich.

Seine Meisterschüler greifen die plakative humoristische Kunst ihres Professors auf und entwickeln sie weiter.

Yongbo Zhao malt in flämisch barocker Weise detailreiche groteske großformatige Bilder. Oft taucht das Gesicht des Künstlers selbst auf, wie z.B in seinem Gemälde “Der große Blutsauger”. Eine Fledermaus mit dem Antlitz von Yongbo Zhao. In dieser Weise der Selbstdarstellung und Selbstironie ist er Robin Page nicht unähnlich, bei dem er von 1991-1998 Student und Meisterschüler war. Zuvor hatte er in China an der Universität Changchun, Provinz Jilin Malerei studiert. Mit der Transsibirischen Eisenbahn reiste er gen Westen und kam in München an, wo er die alten Meister studieren wollte. Robin Page entdeckte die Begabung des im sozialistischen Realismus geschulten Künstlers und machte ihn mit der zeitgenössischen westlichen Kunst vertraut. www.yongbozhao.com
Wonabc – Markus Müller ist einer der bekanntesten Graffiti- und Streetart-Künstler Europas. Er begann in den früheren 80er Jahren zu sprayen und war maßgeblich an der Initiierung der Münchner Graffiti-Szene beteiligt. Dass er „einer der besten Sprayer in Europa“ ist, bescheingte 1996 die Polizei dem damals 28-jährigen während seines Prozesses, den er wegen seiner Graffiti bekam.
Robin Page erkannte sein Talent und sah in der aufkommenden Streetart eine eigene Kunstform und förderte Markus Müller indem er ihn zu seinem Meisterschüler erkor. Dort widmete sich als junger Graffiti-Künstler anatomischen Studien und der Aktmalerei. Für seine Diplomarbeit bei Robin Page stellte er seine Polizeikorrespondenz der Jahre 1993 und 1994 aus. WON gehört zu den wenigen Writern, die eine Kunstakademie abgeschlossen haben.
WON
BR-Beitrag über WON

Thomas Hager war einer der ersten, der sich an der Münchner Kunstakademie mit Computerkunst beschäftigte. Er war Meisterschüler bei Robin Page und leitete an der Akademie der Bildenden Künste  München den Werkstattraum für „Neuen Medien“ und war Mitarbeiter in der Werkstatt für Siebdruck. Er arbeitet momentan auf Einladung der UFFS (Universidade Federal da Fronteira Sul) an einer künstlerischen Dokumentation über brasilianische und deutsche Kleinbauern.
Viel Weitsicht hatte Robin Page als er die erste Medienwerkstatt der Akademie zugelassen hat. Obwohl es viel Gegenwind gab, da es in München Anfang der 90er Jahre nicht vorstellbar war, mit Computer Kunst zu machen. Zur ersten Ausstattung der Medienwerksatt gehörte ein Mac Quatra 700.
“Robin Page wollte mich zuerst gar nicht als Student nehmen. Er meinte, ich sei doch schon an dem Punkt angelangt, wo eigentlich die Studenten die Akademie verlassen könnten, ich würde hier nur Zeit verlieren. Ich musste also ein zweites Mal antreten, mit dem Argument, das es für mich, als experimenteller Fotograf keine Möglichkeit gab, sich künstlerisch als auch fachlich in München weiter zu bilden. Für mich war Robin also ein Glücksgriff auch insofern, dass in der Page Klasse die erste Medienwerksatt entstand.”

Mike Spike Froidl kam 1985 über die Begabtenprüfung als Zwanzigjähriger an die Kunstakademie München. Robin Page war begeistert von der expressiven Comic-Kunst des jungen Punk-Aktivisten und machte ihn erst zu seinem Meisterschüler und dann zu seinem Assistenten. Mike Spike Froidl färbte 1987 bei einer Kunstaktion den Bart seines Meisters blau und machte Robin Page somit zur Kunstfigur Bluebeard (“he had died and gone to Bluebeard”, so Robin Page über sich selbst.
Mike Spike Froidl

Thomas Hager über Robin Page:

“Robin war auf keinen Fall einfach nur ein „normaler“ Professor an der Akademie der Künste in München. Er gehörte zu den wenigen, die den trägen katholischen Kunstkarren der Akademie, durch seine skurrile Art ein bisschen weiter nach vorne bringen konnte. Dank erfuhr er dafür leider viel zu selten.
Bei seinen Studenten suchte er nach authentischen Persönlichkeiten mit ungewaschenem Kopf. Die künstlerische Selbstständigkeit seiner Studenten war ihm, im Gegensatz zu vielen anderen Professoren, sehr wichtig. Durch die Vielfalt der Kunststile seiner Studenten gehörte die Klasse von Robin Page über die ganzen Jahre hinweg zu den Highlights bei der Jahresausstellung der Akademie in München. Ein Markenzeichen stellte das uneingeschränkte Ausstellen der Kunstwerke seiner Studenten dar. So wurde jeder Quadratmeter der Ausstellungsfläche genutzt und jedem Studenten der Raum geboten, den er für seine Kunst benötigte. Seine Wahrnehmung und sein Tiefsinn waren messerscharf. Nicht zu vergessen ist sein besonderer Humor.
Zu irdischen Zeiten gehörte Robin Page auf jeden Fall zu den Außerordentlichen seiner Gilde. Trotz Cowboyhut und Sheriffstern hatte er als Mensch, Künstler und Professor kein hohes Ross nötig. Dies war eins der einfachen Geheimnisse, die ihn so sympathisch und bemerkenswert machten.
Ob er nun ein Engel mit blauen Flügeln oder ein Teufel mit blauen Hörnern ist, liegt nicht in meinem Ermessensspielraum. Egal was er ist, der Bart ist blau!

Die Kunst hab ihn selig!”